A kew’s tag präsentieren das erste Kapitel aus ihrem Album „Hephioz“

Kapitel 9: Calling Nemesis

Es ist Nacht geworden. Das Licht fast gänzlich verschwunden. Und Stravoz ist für einen Moment allein. Unbemerkt fliegt er davon, nur sein Ziel vor Augen. Zu jenem Ort will er, den er Tage zuvor erst kennengelernt und dessen Faszination ihn seither nicht mehr losgelassen hat. Aber dieses Mal will er darüber hinaus. Stravoz ist angekommen, dort, wo die gigantischen Wurzeln sich ihren Weg in die Wolken bahnen, und er blickt gebannt in die Leere vor ihm. Er wartet darauf, dass sich das gleiche überwältigende Gefühl einstellt wie bei seinem ersten Besuch hier. Doch dieses Mal ist etwas anders. Erst jetzt fällt ihm auf, dass es nicht so dunkel ist, wie es um diese Zeit eigentlich sein sollte. Er dreht sich um und schaut den mächtigen Baum hinauf. Ihm bietet sich ein Anblick, den er zuvor nicht gekannt hat, und dessen Bedrohlichkeit ihn umso mehr entsetzt. Die Baumkrone, die aus der Entfernung eigentlich nur zu erahnen ist, hat Feuer gefangen, unaufhaltsam steigen die Flammen den Baum hinab. Paralysiert und voller Angst denkt er unwillkürlich an seine Familie und findet den Mut, zu ihr zurückzufliegen. Mit Tränen in den Augen hört er von weiter oben qualvolle Schreie, Panik breitet sich aus, brennende Äste stürzen herab, und bedrohlich kommt das Tosen des Feuers immer näher. Da entdeckt Stravoz seinen Vater, der auf der Suche nach ihm ist, doch die Flammen sind schon da. Umringt von der erdrückenden Hitze sieht er seinen Vater bei lebendigem Leib verbrennen. Er schreit. Wie ein Echo hört er Todesschreie von überall her, es gibt keine Zeit zum Trauern, er sieht, wie andere Vögel verbrennen, und ersticken, und erschlagen werden von riesigen Ästen, es gibt keinen Weg zurück zu seiner Familie, niemand wird überleben, Stravoz dreht sich um, versucht den Flammen zu entkommen, seine Flügel fangen Feuer, doch er ist schnell,er will nicht sterben, er weiß, dass es nicht einmal jetzt erlaubt ist, davonzufliegen, doch er will es jetzt wissen, will sehen, was wirklich jenseits des Baumes ist, mit letzter Kraft rettet er sich an den Wurzeln vorbei in die Leere –der brennende, sterbende Baum hinter ihm, die letzten Schreie erstickt vom prasselnden Feuer –und er hat es geschafft, er hat sich den Geschichten widersetzt, er… stürzt ab, die plötzliche Eiseskälte lässt ihn erzittern, lähmtseine Flügel, er ringt um Luft, mit unglaublicher Geschwindigkeit fällt er ins Nichts, und mit dem letzten Funken Klarheit in seinen Gedanken erkennt er schmerzlich, dass sein Vater die Wahrheit gesagt hatte. „Alle… tot…, meine ganze Familie… tot, oh ich wünschte, ich wäre mit ihnen gestorben…“ Und während er fällt, ahnt Stravoz nicht, dass ohne seine Neugier niemand hätte sterben müssen.

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